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St. Gallen

Der Kanton Sankt Gallen ist ein Kanton im Nordosten der Schweiz.

Geographie

Der Ostschweizer Kanton grenzt an Graubünden (S), Glarus (SW), Schwyz (SW), Zürich (W), Thurgau (N), den Bodensee (N) und im Osten an Vorarlberg (Österreich) und Liechtenstein. Ausserdem umschliesst er die Halbkantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden.

Der Kanton gliedert sich verwaltungsmässig in 90 Gemeinden, Amtssprache ist Deutsch.

Lage des Kantons

Der Fläche nach belegt der Kanton Platz 6, der Einwohnerzahl nach Platz 5 unter den insgesamt 26 Schweizer Kantonen.

Bevölkerung

St. Gallen hatte auf den 1. Januar 2003 455'193 Einwohner.

In den letzten zehn Jahren hat die Kantonsbevölkerung um 4.9 % zugenommen. Die Bevölkerung hat in dieser Zeitperiode vor allem in den Wahlkreisen See-Gaster (8.6%), Werdenberg (8.1%) und Rheintal (7.5%) zugenommen, während sie in den Wahlkreisen Toggenburg (0.0%) und St. Gallen (1.6%) fast gleich blieb.

Von der Gesamtbevölkerung sind 27% unter 20-jährig, 59% 21- bis 65-jährig, 13% 66- bis 90-jährig und 0.4% über 90-jährig.

Bürger

80% der St. Galler Bevölkerung sind Schweizer Bürger. Der Ausländeranteil beträgt somit 20%. Diese stammen aus folgenden Nationen (Stand 2000):

Europa: ehemaliges Jugoslawien: 8.6%; Italien: 3.4%; Deutschland: 1.8%; Türkei: 1.4%; Österreich: 1.1%; Spanien: 0.7%; übrige europäische Länder: 1.5%. Europa insgesamt (ohne Schweizer): 18.5%

Übersee: Asien: 1.0%; Afrika: 0.3%; Amerika: 0.2%; Australien und Ozeanien: 0.015%

19.6% sind im Ausland geboren.

Sprachen

Amtssprache ist Deutsch. Umgangssprache ist Schweizerdeutsch. Auf Grund der heterogenen Zusammenstellung des Kantons durch die Meditationsakte 1803 existieren im Kanton St. Gallen verschiedene Dialekte, so unter anderem der Rheintaler, der St. Galler oder der Toggenburger Dialekt. Der Rheintaler Dialekt ist verwandt mit dem Liechtensteiner und dem Vorarlberger Dialekt.

Bis nach dem Mittelalter wurde in den südlichen Gegenden des Kanton St. Gallen rätoromanisch gesprochen. Aus diesem Grunde sind viele geografische Bezeichnungen (Ortschaften, Weiler, Berge) in dieser Gegend romanischer Herkunft. Die dortigen schweizerdeutschen Dialekte haben heute noch einen romanischen Akzent.

Bei der Volszählung 2000 gaben 88% der St. Galler an, dass deren Hauptsprache Deutsch ist. Weitere Sprachen: 2.8% slawische Sprachen, 2.3% Italienisch. Andere Sprachen sind weit untervertreten.

Religionen - Konfessionen

Da der Kanton St. Gallen erst 1803 aus verschiedenen Territorien geschaffen worden ist, ist er konfessionell sehr heterogen. Rein katholisch sind das nördliche Fürstenland (einst Besitz des St. Galler Fürstbischofs), doch mit Ausnahme der traditionell reformierten Stadt St. Gallen (einst freie Reichsstadt) sowie die südlichen Teile des Kantons (einst Untertanengebiete der Innerschweiz). Das im Westen gelegene Toggenburg ist gemischt, doch überwiegend reformiert, das im Osten gelegene Rheintal ist ebenfalls gemischt, doch vorwiegend katholisch (ausgenommen insbesondere das reformierte ehemalige zürcherische und glarnerische Untertanengebiet von Sax und Werdenberg).

52% sind römisch-katholisch, 26% sind evangelisch-reformiert, 6% ohne Konfession, 6% islamisch. Weitere 10% gehören anderen Konfessionen an.

Verfassung und Politik

Die gegenwärtige Kantonsverfassung datiert vom Jahre 2001.

Legislative

Gesetzgebendes Organ ist der Kantonsrat, der 180 Mitglieder zählt und vom Volk auf eine feste Amtszeit von vier Jahren gewählt wird. Über Volksabstimmungen (obligatorisches Referendum bei Verfassungsänderungen, fakultatives Referendum bei Gesetzesänderungen, dazu Volksinitiative) hat auch das Volk direkten Anteil an der Gesetzgebung. Die Abstimmung über ein Gesetz können 4'000 Stimmberechtigte verlangen, um ein Gesetz vorzuschlagen bedarf es der Unterstützung durch 6'000 Stimmberechtigte, und um eine Verfassungsänderung zu beantragen, sind 8'000 Stimmberechtigte vonnöten. Eine allgemeine rechtsetzende Tätigkeit schliesslich können 4'000 Stimmberechtigte verlangen (Einheitsinitiative).

Judikative

Gerichte auf kantonaler Ebene sind das Kantonsgericht, das Kassationsgericht, das Handelsgericht, das Verwaltungsgericht und das Versicherungsgericht; auf regionaler Ebene bestehen Kreis- und Arbeitsgerichte; auf kommunaler Ebene die Vermittler.

Gemeinden

Als dezentrale Einheiten kennt der Kanton St. Gallen als Normalfall die politischen Gemeinden.

Spezialgemeinden sind die Orts- und die Schulgemeinden, die es nicht im ganzen Kanton gibt, ferner die evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirchgemeinden. Die Aufgaben der früheren Bezirke (siehe unten) wurden in den letzten Jahren zunehmend auf andere Körperschaften übertragen; als Institutionen wurden die Bezirke schliesslich mit der neuen Kantonsverfassung abgeschafft.

Vertretung auf nationaler Ebene

Sankt Gallen entsendet - wie jeder Vollkanton - zwei Abgeordnete in den Ständerat und aufgrund seiner Einwohnerzahl 12 Vertreter in den Nationalrat.

Geschichte

Der Kanton Sankt Gallen wurde 1803 auf Antrag des helvetischen Abgeordneten Karl Müller-Friedberg von Napoleon aus dem bis 1798 bestehenden Fürstbistum St. Gallen, der Grafschaft Toggenburg und mehreren Untertanengebiete anderer Kantone (Rapperswil, Landvogteien Uznach, Gaster, Sargans, Rheintal, Grafschaft Werdenberg, Amt Gams, Herrschaft Sax) geschaffen. Als solche Neuschöpfung trat er gemeinsam mit den ebenfalls neu geschaffenen Kantonen Thurgau, Waadt, Aargau, Graubünden und Tessin als gleichberechtigtes Bundesglied der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei.

Der junge Kanton gab sich 1803 und 1814 die ersten Kantonsverfassungen und konnte sich in der nachnapoleonischen Zeit gegenüber territorialen Ansprüchen des ehem. Fürstabts einerseits und von separatistischen Kantonsteilen anderseits behaupten.

In der Verfassung von 1814 wurden aufgrund der konfessionellen Heterogenität des Kantons Angelegenheiten wie Kirchen-, Ehe- und Schulsachen nicht dem Staat, sondern den beiden (katholischen und reformierten) sog. "Kantonsteilen" überantwortet, so dass neben dem allgemeinen gesetzgebenden Grossen Rat (heute Kantonsrat) auch ein katholischer und ein reformierter Grosser Rat eingeführt wurde (konfessioneller Dualismus).

1831 wurde eine repräsentativ-demokratische Verfassung eingeführt, die mit dem "Volksveto" bereits erste direkt-demokratische Züge aufwies und das bisherige oligarchische Regime ablöste. 1861 übernahm der Staat nach heftigen Streitigkeiten das bisher kirchliche Schulwesen. Die starke Konfessionalisierung des Kantons prägte den Kanton aber noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein. 1875 wurde das "Volksveto" durch das fakultative Referendum (Einspracherecht des Volkes gegen Gesetze) ersetzt.

In der neuen Verfassung von 1890 wurden mit der Einführung der Volksinitiative (Recht des Volkes, Gesetze vorzuschlagen), der Erleichterung das Referendums und der Volkswahl des Regierungsrates die Volksrechte modernisiert. Dieses Grundgesetz galt, mit vielen Änderungen, bis zum Erlass der heutigen Verfassung von 2001, welche in erster Linie die zahlreichen verfassungsrechtlichen Neuerungen der vergangenen hundert Jahre zusammenfasste und die Reorganisation des Kantons besiegelte.

Städte und Orte

Städte und Orte des Kantons St. Gallen
Gemeinden über 10'000 Einwohner

  • Sankt Gallen
  • Rapperswil-Jona
  • Gossau
  • Wil
  • Uzwil
  • Altstätten
  • Buchs

Weitere bekannte Ortschaften

  • Rorschach
  • Wattwil
  • Diepoldsau
  • Bad Ragaz
  • Sargans
  • Wildhaus

Geografische Regionen

  • Toggenburg
  • Fürstenland
  • Rheintal
  • Walensee
  • Bodensee
  • Zürichsee

Literatur

St. Galler Geschichte 2003 in 9 Bänden. St. Gallen 2003.


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